Nebenstrassen


Wenn man die Weite des Lebens nicht kennt, kann man sie dann vermissen?
18. Oktober 2015, 14:54
Filed under: Allgemein

Manchmal frage ich mich, ob Menschen, die in ihrem Leben nie weiter als nach Spanien ins All-inclusive-Hotel gereist sind, glücklicher sind.

Glücklicher mit sich und ihrer Welt. Glücklicher mit ihrem, eigentlich, stink langweiligen Alltag. Ob sie das, was sie haben, mehr schätzen. Ihre Umwelt als bereichernd und nicht als öde empfinden. Ich würde gerne wissen, ob sie morgens Lächeln, wenn sie aufstehen und sich auf den bevorstehenden Tag freuen. Und ob sie nie auf Arbeit aus dem Fenster sehen und sich fragen, ob das was sie da jeden Tag leisten, überhaupt einen Sinn macht. Ich frage mich, ob diese Menschen beim Warten auf den Zug auch dieses schwere, melanchloische Gefühl beschleicht, wenn an ihnen jemand mit einem grossen Backpack vorbei geht. Und ob sie dann auch diese unbändige Sehnsucht spüren, die sie den ganzen Tag nicht mehr los lässt.

Ich für meinen Teil denke, dass man, ohne je weiter als nach Spanien ins All-inclusive-Hotel gereist zu sein, vielleicht wirklich glücklicher ist.

Man hat dann nicht all die Fotos an den Wänden, die einem an die besten Zeiten seines Lebenes erinnern und an Menschen, die man mit grosser Wahrscheindlichkeit niemals wiedersehen wird. Man hat nicht diese Kleidungsstücke, in denen man sich unheimlich wohl fühlt, weil man sie auf all seinen Rucksackreisen getragen hat und die schon so verwaschen sind, dass man sie eigentlich nicht mehr tragen sollte. Ausserdem geniesst man das Leben vielleicht oft intensiver und kostspieliger, geht mehr ins Kino oder zum Abendessen mit Freunden, weil man nicht jeden Rappen für die nächste grosse Reise spart. Der Alltag kommt einem mit Sicherheit abenteuerlicher vor, als mir die in einigen Zeiten meines Lebens so etwas wie „Alltag“ nicht gekannt hat. Und vorallem hat man nicht diese Sehnsucht im Herzen. Die Sehnsucht zurück zu all dem Schönen und noch viel weiter darüber hinaus.

Wenn man die Weite des Lebens nicht kennt, kann man sie dann vermissen?

 



mein Abklatsch
2. September 2015, 21:26
Filed under: Allgemein

Sie hat lange, rötlich gefärbte Haare und trägt einen schwarzen, flauschigen gothik Mantel. Sie ist von schlanker Statur und hat ein sympathisches Lächeln. Wenn sie mich sieht, dann beschleunigt sie ihre Schritte oder senkt ihren Kopf. Meine WG- Mitbewohnerin ist ihr letztens auch  begegnet. Es war im Bus. Heikes Zug kam früher an, als ihrer. Heike sass in ihr Buch vertieft im vierer Abteil des Busses, als sie diesen betrat. Sie setzte sich ihr gegenüber hin. Heike erspähte über den Buchrand den schwarzen gothik Mantel. Mein Mantel. Sie liess das Buch sinken und sprach sie freudig mit meinem Namen an. Sie sah in ein verdutztes Gesicht und murmelte sogleich ein entschuldigendes „Sorry“ hinterher, als sie das Buch wieder vor ihr Gesicht hielt. Der Mantel hatte gepasst, die Haarfarbe auch, doch das Gesicht war das einer anderen. Das von ihr und nicht meines.

Wer sie ist? Die neue von meinem Ex. Gleiche Haarfarbe, gleicher Mantel (ein eigentlich seltenes Stück) und die gleichen Hobbys. Ehemals gemeinsame Freunde von ihm und mir, nennen sie in meiner Gegenwart nur „deinen Abklatsch“.

Und ich? Ich mache mir, wenn immer möglich, einen Spass daraus sie über den Bahnsteig zu hetzten. Es ist irgendwie ein lustiger Anblick, wenn sie mich in der Menge der Pendler erkennt und dann schnellen Schrittes davon eilt. Als wollte sie vor der Vergangenheit ihres Freundes fliehen. Dass sie das nicht kann beweise ich ihr dann jeweils dadurch, dass ich mich am Gleis fünf Meter neben sie stelle. Da stehen wir dann, in unseren schwarzen gothik Mänteln, mit unseren rötlich gefärbten langen Haaren und würdigen uns keines Blickes. Sie schaut ernst und wirkt gestresst und ich lächle vor mich hin und amüsiere mich köstlich…



Hallo Welt!
28. August 2015, 7:40
Filed under: Allgemein

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